Das Mastzellaktivierungs-Syndrom (MCAS) ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem überreagiert: Mastzellen – spezielle Immunzellen – schütten dabei übermäßig Histamin und andere Botenstoffe (sog. Mediatoren) aus. Diese wirken im gesamten Körper und können vielseitige Symptome auslösen.
📊 Die Häufigkeit von MCAS wird auf 5–10 %, manche Quellen sogar auf bis zu 17 % der Bevölkerung geschätzt (ICD10: D47.0).
MCAS zeigt sich durch eine große Bandbreite an Beschwerden, oft anfallsartig:
Magen-Darm: Durchfall, Krämpfe, Übelkeit, Reflux, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Allgemein: Müdigkeit, chronische Erschöpfung, Schlafstörungen
Kopf & Nerven: Kopfschmerzen, Migräne, „Brain Fog“
Atemwege: Asthma, laufende Nase (oft nach dem Essen)
Haut: Rötungen, Ekzeme, Nesselsucht
Herz-Kreislauf: Herzrasen, Blutdruckschwankungen, Palpitationen
Muskulatur & Gelenke: Schmerzen, oft fälschlich als Fibromyalgie eingeordnet
📌 Eine ausführliche Übersicht bietet Mastzellenhilfe.de.
MCAS kann durch zahlreiche interne und externe Reize ausgelöst oder verstärkt werden:
Infektionen (z. B. Viren, auch SARS-CoV-2)
Impfungen, Narkosemittel, Medikamente (z. B. Aspirin, Diclofenac)
Lebensmittel & -zusatzstoffe (z. B. Konservierungsmittel, Aromen)
Schwermetalle, Umweltgifte, Chemikalien
Körperliche Reize: Hitze, Kälte, intensiver Sport
Emotionen: Stress, Angst, Freude („positiver Stress“)
📌 Auch Post-Covid könnte durch Mastzellaktivierung mitbedingt sein.
Die Diagnose ist komplex und basiert auf:
Symptomanalyse & Anamnese
Blut- und Urintests (z. B. Histamin, Tryptase, Prostaglandin D2, Leukotriene, N-Methylhistamin):
https://imd-onlinelabor.de/mcas-mastzellaktivit%C3%A4t-test
Messung während eines akuten Schubs erhöht die Wahrscheinlichkeit eines auffälligen Befundes
Unterscheidung zu Histaminintoleranz:
🧪 DAO-Werte bei MCAS meist normal oder erhöht
MCAS ist behandelbar, die Therapie erfolgt individuell abgestimmt und besteht aus mehreren Bausteinen:
Medikamentenunverträglichkeiten (z. B. ASS, Lokalanästhetika, Opioide)
Alkohol, Reiznahrung (z. B. Käse, Schokolade, Erdbeeren)
Stress, hormonelle Dysbalancen (z. B. Östrogenüberschuss)
Histaminarme, mastzellfreundliche Ernährung
Keine strenge Diät – Vermeidung von Mangelernährung
Individuelle Verträglichkeit beobachten (Ernährungstagebuch!)
H1- und H2-Antihistaminika
Mastzellstabilisatoren (z. B. Ketotifen, Cromoglycinsäure)
Leukotrien-Antagonisten
Niedrig dosierte Antidepressiva mit mastzellstabilisierender Wirkung
| Substanz | Wirkung |
|---|---|
| Vitamin C | Histaminabbau |
| Zink | Mastzellstabilisierend |
| Quercetin, CBD, Schwarzkümmel, Kurkumin, Weihrauch | Entzündungshemmend, Histaminsenkend |
| SAM | Histaminreduktion im Gehirn |
| DAO-Enzym (oral) | Histaminabbau im Darm |
| Zeolith | Histaminbindung im Darm |
| Omega-3 | Entzündungshemmend |
| Vitamin B6, Kupfer | Cofaktoren für DAO |
| Colostrum | Immunmodulierend (sIgA) |
So kann man in der Praxis vorgehen bei Verdacht auf ein MCAS:
Der Verdacht auf ein MCAS ergibt sich häufig bereits im Anamnesegespräch zwischen Arzt und Patient. Viele Betroffene haben durch eigene Recherchen (z. B. auf www.Mastzellenhilfe.de) schon Hinweise auf eine mögliche Mastzellaktivierung gesammelt.
Ein hilfreiches Instrument kann der MCAS-Fragebogen (<- Klick) sein, den Patienten mit einem Therapeuten oder ggf. auch selbstständig ausfüllen und anhand der beiliegenden Anleitung auswerten können. Ab einem bestimmten Punktwert gilt eine Mastzellaktivierung als sehr wahrscheinlich.
Im nächsten Schritt können gezielte Laboruntersuchungen helfen, den Verdacht zu erhärten oder zu entkräften. Wichtig zu wissen: Es gibt selten einen „eindeutigen Laborbeweis“, da MCAS häufig schubweise verläuft. In symptomfreien Phasen können die Werte unauffällig sein. Daher wird die Diagnose oft als „Verdacht auf Mastzellaktivierungssyndrom“ (kurz: V. a. MCAS) formuliert.
Weitere Informationen zur Diagnosestellung finden Sie hier und hier Mastzellenhilfe.de. Auch in den Veröffentlichungen von Dr. Nina Kreddig, der Leiterin der Plattform, finden Sie wertvolle Informationen.
Ein möglicher Einstieg in die Therapie sind frei verkäufliche Medikamente wie Antihistaminika und sogenannte Mastzellstabilisatoren (auch als „Histamin- und Mastzellblocker“ bekannt).
→ Bessern sich die Beschwerden nach Einnahme dieser Mittel deutlich, ist das einerseits eine Erleichterung für die Betroffenen und andererseits ein weiterer Hinweis darauf, dass ein MCAS bzw. der Histaminstoffwechsel eine Rolle spielen.
→ Viele der Histaminblocker-Medikamente sind rezeptfrei erhältlich in der Apotheke und können daher auch in Eigenregie ausprobiert werden, so wie es viele Allergiker auch machen.
Wenn die MCAS-Diagnose gesichert bzw. sehr wahrscheinlich ist, geht es darum, eine passende Therapie zu finden. Diese ist immer individuell und kann aus folgenden Therapiebausteinen bestehen:
Es gibt keine „Standardlösung“ – jede Therapie ist so individuell wie der Patient selbst. Geduld, Eigeninitiative und die Bereitschaft zum Ausprobieren sind entscheidend. Auch das Thema Psyche und Stress spielt eine wichtige Rolle bei Mastzellaktivierungen. Die Videos und Informationen z.B. auf Mastzellenhilfe.de helfen vielen Patienten weiter. Außerdem gibt es mittlerweile mehrere gute Bücher (siehe unten).
Laboruntersuchungen bei Verdacht auf MCAS
Falls zunächst eine diagnostische Abklärung im Vordergrund steht, können Patienten auch selbstständig eine Blut- oder Urinuntersuchung in einem spezialisierten Labor durchführen lassen. Diese Möglichkeit ist ein pragmatischer Kompromiss, wenn kurzfristig kein geeigneter Therapeut verfügbar ist – was leider häufig der Fall ist.
Wichtig zu wissen:
Beispiel-Labore in Hamburg:
🔬 Labor Dr. Fenner (in Kooperation mit IMD Berlin)
🔬 Labor Bioscientia/Frohreich (in Kooperation mit dem Labor Biovis)
Hinweis: Einige Laborwerte – insbesondere die Leukotrienmessung – sind nur während eines akuten Schubs auffällig. An „normalen“ Tagen können die Werte im Normbereich liegen. Ein unauffälliger Laborwert schließt daher MCAS oder eine Histaminproblematik nicht aus.
Nächste Schritte
Wer eine genauere ärztliche Einschätzung, verschreibungspflichtige Medikamente oder einen individuellen Therapieplan benötigt, sollte sich spätestens jetzt um einen Termin bei einem erfahrenen Arzt oder Therapeuten bemühen.
Gute Besserung und viel Erfolg auf dem Weg zur passenden Diagnose und Therapie!

Niels Schulz-Ruhtenberg
Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin & Ernährungsmedizin
Arztpraxis für moderne Ernährungsmedizin und funktionelle Medizin
Niels Schulz-Ruhtenberg – jameda.de
Die Video-Aufzeichnung meines MCAS-Vortrages für Patienten vom September 2025 findet Sie in der Online-Akademie, im Darm-Onlinekurs und im Online-Portal für Patienten meiner Praxis.
Ich stelle das Thema MCAS auch auf dem Kongreß für Regulationsmedizin der IGAF 2025 vor.
Was hat Ihnen am meisten geholfen bei MCAS?
Frau Dr. Kreddig von der Mastzellenhilfe hat Antworten auf diese Frage gesammelt
(Quelle: https://www.instagram.com/p/DL7KsYcMF0i)

Hier einige Videos zum MCAS:
Die Psyche und die Stressbelastung spielen eine große Rolle beim MCAS. Das sollte jede Betroffene bei der Therapie und vor allem im Alltag berücksichtigen. Hier gibt es viele bewährte Methoden wie Psychotherapie, MBSR, Persönlichkeitsentwicklung, Mentaltraining etc.

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