Bei einer sogenannten Histamin-Intoleranz (kurz: HIT) kann es zu ganz unterschiedlichen Beschwerden kommen. Diese entstehen durch ein Ungleichgewicht oder eine Störung im Histamin-Stoffwechsel – also wie der Körper mit dem Botenstoff Histamin umgeht.
Diese Symptome sind sehr unterschiedlich und können wechselhaft auftreten, was die Diagnose erschwert. Histamin wird sowohl im Körper gebildet als auch über bestimmte Lebensmittel aufgenommen – deshalb spielt die Ernährung eine wichtige Rolle.
Histamin ist ein lebenswichtiger, natürlicher Stoff im menschlichen Körper. Es wirkt als Gewebshormon und als Botenstoff (Neurotransmitter) im Gehirn. Deshalb ist der Begriff „Intoleranz“ hier eigentlich irreführend – niemand ist intolerant gegen einen körpereigenen Stoff wie Histamin, Adrenalin oder Testosteron.
Probleme entstehen, wenn der Histamin-Stoffwechsel gestört ist, was zu einer Überlastung führt. Diese Störung wird als Histaminose bezeichnet. Betrifft sie vor allem das Gehirn, spricht man von Histadelie.
Bei Verdacht auf eine Histamin-Problematik kann eine sogenannte diagnostische Diät helfen: Man ernährt sich für mindestens 14 Tage histaminarm. Wenn sich die Beschwerden deutlich bessern, ist das ein Hinweis auf eine Histamin-Belastung. Eine hilfreiche Lebensmittel-Liste findet man z. B. unter www.histaminintoleranz.ch.
DAO (Diaminoxidase) ist ein Enzym, das Histamin abbaut. Ein niedriger DAO-Wert im Blut kann auf eine Histaminose hinweisen, ist aber allein nicht beweisend. Auch normale Werte schließen eine Problematik nicht aus – daher ist die Beobachtung der Symptome unter histaminarmer Diät so wichtig.
DAO benötigt bestimmte Vitamine wie Vitamin B6 und Kupfer, um richtig zu funktionieren. Ein Mangel daran kann den Histamin-Abbau stören. Auch zu viel Zink kann indirekt einen Kupfer-Mangel verursachen. Daher sollten diese Mikronährstoffe im Blut geprüft und ggf. ausgeglichen werden.
Diese Faktoren können eine erworbene Histamin-Intoleranz begünstigen und sind möglicherweise für den Anstieg an Histamin-Problemen verantwortlich.
Vermeiden Sie histaminreiche und histaminfreisetzende Lebensmittel. Zu Beginn hilft oft eine histaminarme Diät. Diese sollte jedoch nicht dauerhaft streng sein, um Mangelernährung und soziale Einschränkungen zu vermeiden. Auch Gluten (Weizen) und Casein (Milcheiweiß) können Symptome auslösen. Eine laktosearme Diät sowie gezielte Darmsanierung sind ebenfalls hilfreich.
Listen finden Sie z. B. auf:
App Histamin Info
Diagnostischer Auslassversuch: Eine histaminarme Diät über mehrere Wochen hilft, die Diagnose zu bestätigen.
Wichtig: Eine komplette Vermeidung ist nicht sinnvoll – die Histamin-abbauenden Enzyme würden sonst „einschlafen“.
Bei starken Symptomen: Start mit hypoallergener Kartoffel-Reis-Diät möglich.
Strenge Nahrungsmittelhygiene: Frisch zubereiten, nicht lange lagern – so reduziert sich die Histaminbildung.
Trinkwasser-Tipp: Günstig sind sulfat- und hydrogencarbonatarme Sorten wie Volvic, Vio oder Magnus.
❌ Kein Alkohol
❌ Kein Rauchen
❌ Kein raffinierter Zucker
Diese Mikronährstoffe unterstützen den Histamin-Abbau:
Vitamin B6 (ggf. mit Kupfer): aktiviert DAO, das wichtigste Histamin-abbauende Enzym
Vitamin C, Zink, Mangan, Glutamin: fördern den Histamin-Abbau
Weitere unterstützende Stoffe:
Schwarzkümmelöl-Kapseln
Omega-3-Fischöl
OPC, Quercetin, Zeolith
CBD-Öl, Kurkuma, Boswelia
Methionin (als SAM): fördert den Histaminabbau im Gehirn – hilfreich bei „Brain Fog“
Progesteron: wirkt als Gegenspieler von Histamin – relevant z. B. bei PMS
Darmsanierung mit Probiotika: Reduziert Histamin-produzierende Bakterien. Vorher: Darmflora-Analyse empfohlen.
Nur histaminkompatible Probiotika verwenden!
Weitere Optionen:
Heilerde
Trinkmoor
Achtung: Bakterielle Infektionen oder Schwermetallbelastung können Histaminbildung im Darm fördern.
DAO-Tabletten (z. B. DAOsin, DAOzym, Naturdao 1.000.000): Bei Bedarf vor histaminreichem Essen oder Restaurantbesuchen einnehmen.
Antihistaminika (z. B. Ceterizin, Lorano): Zu Beginn täglich für 2–3 Wochen einnehmen.
Bei Allergien: Fenistil-Tropfen können helfen.
Bei Magen-Darm-Beschwerden oder MCAS: Mastzellstabilisatoren wie Cromoglycinsäure (z. B. Allergoval®, Pentatop®) möglich.
Schlafmittel mit Histaminblockern: z. B. Hogga Night
Melatonin wirkt natürlich antihistaminisch und stabilisiert Mastzellen. Es gibt Schlafmittel, die auf diesem Prinzip beruhen.
Achtung: Manche Medikamente hemmen das DAO-Enzym! Auch Nahrungsergänzung wie 5-HTP kann problematisch sein, weil es wichtige Co-Faktoren verbraucht.
Medikamente überprüfen, ob sie den Histaminspiegel erhöhen.
Allergiediagnostik (Pollen, Haustiere, Schimmel etc.) durchführen und Auslöser meiden.
Eine histaminarme Ernährung kann auch allergische Beschwerden lindern, da Histamin eine zentrale Rolle bei Allergien (z. B. Pollen, Hausstaub) spielt. Ergänzend helfen Vitamine und pflanzliche Stoffe mit natürlicher Antihistamin-Wirkung.
Mit Geduld, Wissen und einer individuell angepassten Ernährung lassen sich die Beschwerden in den meisten Fällen deutlich lindern – oft sogar ganz beheben. Entscheidend ist, dass man selbst aktiv wird und bereit ist, Gewohnheiten gezielt zu verändern.
Alles Gute auf Ihrem Weg zu mehr Wohlbefinden! ❤️
Alles Gute!

Niels Schulz-Ruhtenberg
Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin & Ernährungsmedizin
P.S.: Mehr infos gibt es im Onlinekurs Darmgesundheit (<- Klick)

Wirkungen von Histamin und die Bedeutung der verschiedenen Histamin-Rezeptoren H1, H2 und H3 (Quelle: IMD)

(Quelle: www.kloesterl-infoportal.de)
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